03.06.2013

Predigt von Bischof Markus Büchel, Präsident der SBK, im Festgottesdienst in Einsiedeln am 2. Juni


Servizio d'informazione | 03.06.2013

Ansprache von Bundesrätin Doris Leuthard im Festgottesdienst am 2. Juni in Einsiedeln


03.06.2013

Ansprache von Ständerat Paul Niederberger, Präsident der Inländischen Mission, im Festgottesdienst in Einsiedeln am 2. Juni


03.06.2013

«Wir bauen gemeinsam Kirche – die Freude an Gott ist unsere Kraft»

Ansprache von Ständerat Paul Niederberger, Präsident der Inländischen Mission, im Festgottesdienst in Einsiedeln am 2. Juni

Ständerat Paul Niederberger über Armut in der Kirche und ihr Einsatz für die Armen und Randständigen. Über die Solidarität in der Kirche und die Verantwortung der Kirchenleitung für das staatskirchenrechtliche System, welches die finanzielle Basis des kirchlichen Engagements bildet. 

Liebe Frau Bundesrätin,Lieber Herr Bischof Markus Büchel, Exzellenzen, liebe Brüder und Schwestern in Christus

Mit Papst Franziskus haben wir seit zweieinhalb Monaten einen Bischof in Rom, der sich im wahrsten Sinne des Wortes als Vorsteher aller Kirchen auszeichnet, indem er ein Zeichen der Liebe, Güte und Barmherzigkeit Gottes gegenüber den Menschen ist. Unser Papst Franziskus bringt einen Ehrentitel aus Argentinien mit, den man sich nicht kaufen kann: Bischof der Armen, was Ausdruck dafür ist, dass er sich besonders für die Armen und Randständigen in seiner Diözese und in seiner Heimat Argentinien eingesetzt hat. Was bedeutet aber ein solcher Ehrentitel, was bedeutet es, wenn Papst Franziskus sich dafür ausspricht, sich für die Armen und Randständigen einzusetzen? Franziskus spricht sich als Bischof der Armen sicher nicht für die Armut aus, sondern dagegen. Sein Einsatz für die Armen und Randständigen ist kein Traum von einer armen Kirche, sondern von einer Kirche, deren Amtsträger und Gläubigen bescheiden leben sollen und bereit sind, ihre Mittel dafür einzusetzen, dass Arme weniger arm werden, weniger an Armut leiden müssen. Er spricht von einer Kirche, die den Menschen dienen und besonders den Armen und Randständigen nahe sein und an die Grenzen gehen soll. Denn Armut beruht in den allermeisten Fällen auf Ungerechtigkeit, wo die Armen Opfer und nicht Täter sind.

Wenn ab der Mitte des 19. Jahrhunderts viele Schweizer Katholikinnen und Katholiken ihre Heimat in den sogenannt katholischen Stammlanden aus wirtschaftlichen Gründen verliessen, war der Grund dafür kein «Traum für die Armut». Im Gegenteil: Armut war für die meisten in reformierte, wirtschaftlich aufstrebende Teile der Schweiz ausgewanderten Katholiken ein Trauma, ein Albtraum. Dies galt ab 1848 noch mehr für die römisch-katholische Kirche in diesen reformierten Kantonen: Wegen der noch fehlenden öffentlich-rechtlichen Anerkennung war es den Katholiken nicht möglich, sich in Kirchgemeinden zu organisieren und Steuern einzutreiben. Ein Aufbau von einigermassen geregelten Seelsorgestrukturen und die Anstellung und Besoldung von katholischen Geistlichen scheiterte am fehlenden Geld. Erst beherzte, mutige und tatkräftige Katholiken aus den Stammlanden schufen hier mit der Gründung de rInländischen Mission Abhilfe, so etwa deren Gründungspräsident und langjährige Redaktor der «Schweizerischen Kirchenzeitung», der Solothurner Theodor Scherer-Boccard, und der unermüdliche Gründer und erster Direktor der Inländischen Mission, der Zuger Arzt Melchior Zürcher-Deschwanden. Ihnen beiden ist es zu verdanken, dass im August 1863, also vor genau 150 Jahren, hier in Einsiedeln der Anfang für das segensreiche Wirken der InländischenMission gesetzt wurde.Die Inländische Mission war in ihren ersten 100 Jahren eine Hauptursache dafür, dass in reformierten Gebieten überhaupt Seelsorgestrukturen aufgebaut und Priester eingestellt werden konnten, die den Katholikinnen und Katholiken in der Fremde religiöse Heimat bieten konnten. Hier sei nicht unerwähnt, dass das Wirken der Inländischen Mission und der katholischen Seelsorger durch die Reformierten nicht nur gut aufgenommen, sondern in den meisten Fällen tatkräftig unterstützt wurde, ein Beleg dafür, dass die Ökumene in der Schweiz schon seit 150 Jahren gut funktioniert.

Vers la moitié du 20e siècle, la situation générale des catholiques dans les cantons de la diaspora a fondamentalement changé du fait que l'Eglise catholique a été reconnue par le droit public dans les cantons réformés, ce qui a permis de lever l'impôt ecclésiastique. Dans le canton qui a été historiquement le principal bénéficiaire de la Mission Intérieure, à savoir Zurich, ce changement a eu lieu en 1963, il y a exactement 50 ans. L'Église catholique du canton de Zurich est désormais une des donatrices les plus importantes et loyales de la Mission Intérieure. Des tendances similaires ont été enregistrées dans les cantons d'Argovie, de Berne et de Vaud, où le financement de l'Église et de la vie pastorale est aujourd'hui bien assuré. La situation financière reste toutefois précaire dans les cantons de Genève et de Neuchâtel, où une stricte séparation entre l'Église et l'État s'applique et où la perception des impôts ecclésiastiques n'est pas possible. Le financement est également insatisfaisant dans les cantons du Valais et du Tessin, tout comme dans de nombreuses petites paroisses d'autresrégions périphériques comme les Grisons ou le Jura. Ces cantons sont aujourd’hui les principaux bénéficiaires du soutien de la Mission Intérieure. Présenter quelques projets individuels serait passionnant, mais notez simplement que la Mission Intérieure a soutenu, aucours de ces 150 dernières années, environ 1900 projets: un nombre impressionnant!

Zunehmend aber gibt es auch kleinere oder mittlere Kirchgemeinden in den sogenannt finanziell gutgestellten Kantonen der Schweiz, die auf die Hilfe der Inländischen Mission angewiesen sind. Diese wenigen Bemerkungen verdeutlichen, dass die Hilfe der Inländischen Mission auch inden nächsten 150 Jahren benötigt wird, vielleicht weit häufiger und dringlicher, als wir uns dies alle wünschen. In diesem Sinne bitte ich Sie alle, die Stimmberechtigten in den Kantonen, in denen die römisch-katholische Kirche durch Kirchgemeinden und dem damit verbundenen Kirchensteuern eine gute finanziellen Grundlage hat, sich auch weiterhin dafür einzusetzen,dass diese Rechte erhalten bleiben. Ich bitte insbesondere auch die Schweizer Bischöfe und die Schweizer Bischofskonferenz, für das in den meisten Kantonen geltende staatskirchenrechtliche System Sorge zu tragen: Sie sind die Hauptbetroffenen, wenn die Kirchensteuerpflicht natürlicher und juristischer Personen zugunsten der katholischen Kirche in der Schweiz abgeschafft würde. Eine Kirche, die wirklich arm ist, kann keine Kirche mehr für die Armen und die Randständigen sein. Und die Inländische Mission kann nie flächendeckende Ersatzleistungen erbringen, wenn die Kirche in den privaten Bereich gedrängt wird. Kirche aber gehört in die Öffentlichkeit!

Was auch immer kommen mag, sicher ist, dass Veränderungen anstehen, ob wir wollen oder nicht. Ich bin überzeugt davon, dass die Veränderungen, die auf uns zukommen, zur Folge haben, dass der Zweck und die Aufgaben der Inländischen Mission in Zukunft noch bedeutender werden. Die finanziellen Bedürfnisse der katholischen Kirche in der Schweiz werden nicht kleiner, sondern grösser. Da die Arbeit auf gesamtschweizerischer und sprachregionaler Ebene, aber auch in einzelnen Pfarreien und Kirchgemeinden immer mehr Mittel erfordert, wird die Bedeutung der Inländischen Mission umso wichtiger. Damit wir diesen Anforderungen gerecht werden können, sind wir weiterhin auf die vielen treuen Spenderinnen und Spender angewiesen, die uns schon bisher geholfen habe, aber auch auf die Hilfe und die Unterstützung der Schweizer Bischöfe.

Ich danke allen Spenderinnen und Spendern der Inländischen Mission, allen Freiwilligen und Ehrenamtlichen, sie nämlich sind der «Kitt» von Kirche und Gesellschaft, auch von unserer Inländischen Mission. Ebenso herzlich danke ich den kirchlichen Angestellten,Laientheologinnen und Laientheologen, Diakonen, Priestern und den Schweizer Bischöfen für ihren Einsatz zugunsten der Inländischen Mission, ganz besonders auch dem Kloster Einsiedeln für die heutige Gastfreundschaft!

«Wir bauen gemeinsam Kirche – die Freude an Gott ist unsere Kraft» – dafür stehen wir ein, auch in der Zukunft!