SBK-CES-CVS Conferenza dei vescovi svizzeri | 08.09.2017

Assemblée de la Conférence des évêques suisses (CES) à St. Niklausen


SBK-CES-CVS Conferenza dei vescovi svizzeri | 06.09.2017

5e session de discussions entre l’Organisation pour la culture et les relations de l’Islam et la Commission pour le Dialogue avec les Musulmans de la Conférence des évêques suisses du 26 au 31 août 2017 en Iran.


Giustizia e Pace | 01.09.2017

La Commissione nazionale Giustizia e Pace motiva il suo SIʼ alla riforma della previdenza vecchiaia 2020 dal profilo dell'etica sociale


SBK-CES-CVS Conferenza dei vescovi svizzeri | 31.07.2017

Videomessaggio per il 1° agosto per l’inizio del pellegrinaggio a Flüeli Ranft


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Saluts à l'Assemblée plénière du Conseil des Conférences Episcopales d’Europe

SBK-CES-CVS Conferenza dei vescovi svizzeri | 28.09.2012

Saluts à l'Assemblée plénière du Conseil des Conférences Episcopales d’Europe

Discours de Mgr. Norbert Brunner

(en allemand) Im Namen der Schweizer Bischofskonferenz heisse ich alle Mitglieder des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen CCEE in unserem Lande herzlich willkommen. Nicht ohne Grund dürfen wir für diese drei Tage Gäste in St. Gallen sein. Wir dürfen die besondere Atmosphäre des östlichsten Teiles unseres Landes geniessen, vielleicht inklusive der berühmten St. Galler Bratwurst, und wir dürfen in einem bescheidenen Masse auch teilnehmen an den Feierlichkeiten zum Gallusjahr.

Die konstituierende Versammlung des CCEE fand vor vierzig Jahren 1971 in Rom statt. Das CCEE war aber von Anfang an in besonderer Weise mit der Schweiz, und mit St. Gallen, verbunden dadurch, dass die beiden ersten Generalsekretäre in der Schweiz waren. Das Generalsekretariat befindet sich zudem seit Beginn dank der grosszügigen Unterstützung des Bistums und des Katholischen Kantonsteils in St. Gallen. Diese Tatsache hat das CCEE sicher in besonderer Weise ihrem zweiten Sekretär, dem heutigen Altbischof Dr. Ivo Fürer zu verdanken. Lieber Bischof Ivo, ich begrüsse Dich heute Abend in besonders herzlicher Weise. Gleichzeitig danke ich Dir, lieber Bischof Markus, für Deine Gastfreundschaft und Dein Engagement in unserer Konferenz, ab dem 1. Januar 2013 als deren Präsident, und damit auch als Mitglied des CCEE.

Die Einrichtung von Bischofskonferenzen, und wohl auch von übernationalen Bischofsversammlungen, wurde bereits während des II. Vatikanischen Konzils von manchen Konzilsvätern und von Verantwortlichen der römischen Kurie nicht ohne einen gewissen Argwohn aufgenommen. Ein Teil der Gegner fürchteten durch diese Einrichtung eine zu grosse Synodalität in der Kirche und damit eine unzulässige Beschränkung des päpstlichen Primates. Andere hingegen befürchteten, dass durch die Bischofskonferenzen die „gesamte, eigenberechtigte, ordentliche und unmittelbare“ Autorität der Diözesanbischöfe eingeschränkt werden könnte.

Welche Befürchtungen haben sich bewahrheitet? Welche sind ausgeblieben? Die Antwort auf diese Fragen überlasse ich Ihnen. Ich meine aber, dass weder die Bischofssynoden, noch die Bischofskonferenzen, und noch weniger die übernationalen Bischofsversammlungen ihre eigentlichen Aufgaben wahrnehmen können, solange das Prinzip der Subsidiarität nicht auch in der hierarchischen Verfassung der Kirche Eingang gefunden hat.

Die X. Ordentliche Versammlung der Bischofssynode vom 29. September bis 28. Oktober 2001 war dem Thema gewidmet:„Der Bischof als Diener des Evangeliums Jesu Christi für die Hoffnung der Welt“. Als Vertreter unserer Konferenz habe ich am 2. Oktober in meiner Intervention unter anderem diese Anmerkungen vorgebracht: „Wir brauchen in der Kirche die Strukturen der Subsidiarität. Es soll auf der Ebene der Universalkirche nur das zentral geregelt werden, was für die Einheit der Kirche notwendig ist. So etwa können wir das Prinzip der Subsidiarität für die Kirche ausdrücken. Pius XI. hat es in seiner Enzyklika 'Quadragesimo anno' 1931 als sozialethischen Grundsatz explizit formuliert. Papst Pius XII. hat diesen Grundsatz ausdrücklich auch für die Kirche festgehalten: 'Auch für das Leben der Kirche und unbeschadet ihrer hierarchischen Struktur gilt das Subsidiaritätsprinzip.'"

Nach den Darlegungen von Papst Pius XI. bedeutet Subsidiarität Folgendes: „Erstens die Vielfalt der sich von unten aufbauenden sozialen Einheiten sind in ihrer Eigenfunktion zu respektieren und zu bewahren, wo immer und solange diese sich gegenüber dem, was die ihnen übergeordnete Steuerungsinstanz zu leisten vermag, als die kompetenteren bewähren. Zweitens sind Eingriffe der übergeordneten Handlungseinheit erforderlich, ist immer die schonendere Form des Eingriffs zu wählen, der zunächst nicht auf die Uebernahme von Kompetenzen abzielt, sondern darauf, durch Hilfestellung die Funktionsfähigkeit der kleineren Lebenskreise zu stärken und wiederherzustellen.“

Dieses Prinzip der Subsidiarität könne, so war und ist meine Überzeugung, nur dann funktionieren, wenn einerseits ein „effizientes Organ der Kollegialität“ geschaffen werde, und wenn anderseits „Vertrauen in die Verantwortung der Ortsbischöfe“ bestehen würde.

Das Nachsynodale Apostolische Schreiben „Pastores gregis“ vom 16. Oktober 2003 ging auch auf diese Forderung nach Subsidiarität ein (Nr. 56) und hielt fest, „dass sich der Begriff der Subsidiarität“ für die Bestimmung des Verhältnisses zwischen Diözesanbischof und höchster kirchlicher Autorität „als zweideutig erweist“. Demgegenüber hätten die Synodenväter „darauf bestanden, das Wesen der bischöflichen Autorität im Lichte des Communio-Prinzips theologisch zu vertiefen.“ Ich habe diese Darstellung von höchster Stelle selbstverständlich sofort und direkt auf meine Intervention bezogen.

Das CCEE macht es sich laut seinen Statuten zum Ziele, dieser Communio zu dienen. So heisst es: „Der Rat der europäischen Bischofskonferenzen ist ein Organ, das Gemeinschaft zwischen den Bischofskonferenzen stiftet. In der Welt, die auf die Einheit zustrebt, das Gut der Kirche zu fördern und zu schützen. Insbesondere die Ausübung der Kollegialität in der hierarchischen Gemeinschaft cum et sub romano pontifice...“

Man hat diese bischöfliche Kollegialität auch als eine doppelte umschrieben, als die „collégialité affective“ und die „collégialité effective“. Ich finde diese Umschreibung sehr zutreffend, und ich meine, dass vor allem die „collégialité affective“ auch tatsächlich gelebt wird. Ich bin aber auch heute noch der Ueberzeugung, dass eine „collégialité effective“ ohne genauere Kriterien der Subsidiarität ihr Ziel nicht erreichen kann. Eines der sprechendsten Beweise dafür ist wohl die Ohnmacht verschiedener Sprachregionen gegenüber den vatikanischen Vorgaben bei der Übersetzung der liturgischen Texte.

Am morgigen Vormittag beschäftigt sich die Vollversammlung des CCEE sozusagen als Herzstück, als „pièce de résistance“ mit dem Thema: „Die Herausforderungen unserer Zeit: Soziale und spirituelle Aspekte.“ Damit gehört unsere Arbeit in einen jener Bereiche, die ohne das Prinzip der Subsidiarität nicht adäquat und zielorientiert behandelt werden können. Die Herausforderungen unserer und jeder Zeit sind nicht die gleichen in Europa, in Afrika, in Asien oder anderswo.

Dasselbe gilt in meiner Sicht für andere Fragen wie die Fragen des Gläubigen- und des Priestermangels, die Fragen der Zulassungsbedingungen zu den Weihen, die Frage der geschiedenen Wiederverheirateten, um nur einige zu nennen. Der kürzlich verstorbene Kardinal Carlo Maria Martini, Präsident des CCEE von 1986 bis 1993 hat noch in einem seiner letzten Interviews unterstrichen, dass Bischofsversammlungen (Bischofssynoden) diese konkreten Fragen thematisieren und theologisch vertiefend beantworten müssten.

Sie haben meinen Ausführungen ohne Zweifel bereits entnommen, dass ich seine Überzeugung ohne Einschränkung teile. Ich fühle mich in dieser Einsicht sehr eng mit meinem Vorgänger, Bischof Nestor Adam verbunden, bei dem ich meine ersten fünf Jahre als Bischöflicher Kanzler „in die Lehre“ gegangen bin. Seine beiden wichtigsten Vorschläge für die Beratungen des II. Vatikanischen Konzils sind nur auf der Grundlage von Subsidiarität und Synodalität im eigentlichen Sinne zu verstehen: die Stellung der Diözesanbischöfe als Weiterführung der Beratungen und der Definitionen des I. Vatikanums, sowie die öffentliche – und nicht nur geheime - Mitwirkung von Priestern und Laien bei den Bischofsernennungen.

Strukturelle Änderungen sind nicht das Ziel, sondern der Weg zum Ziel. Es ist auch unsere Aufgabe, diesen Weg stets anzupassen und zu erneuern. Erneuerte Strukturen können uns helfen, die Herausforderungen unserer Zeit anzunehmen. Das Konzilsjubiläum und das Jahr des Glaubens verweisen uns auf die Grundlagen unserer Arbeit. Mein Wunsch ist es, dass auch diese Vollversammlung des CCEE dazu beitragen werde, dass wir uns in gemeinsamer Verantwortung diesen Herausforderungen stellen, sie in der steten Erneuerung aus dem Geiste angehen, und unsere Sendung mit Gottes Hilfe zur Vollendung bringen.

St. Gallen, 27. September 2012

Mgr. Norbert Brunner
Bischof von Sitten
Präsident der Schweizer Bischofskonferenz