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21.11.2016

SPI - Medienmitteilung vom 14 . November 2016


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16.01.2011

Discorso del Pastore Gottfried Wilhelm Locher, presidente del Consiglio della FCS (disponibile solo in tedesco)

In occasione dell´ordinazione episcopale di mons. Felix Gmür a Olten, 16.01.2011

Felix felix episcopus!

„Nemo nisi per amicitiam cognoscitur.” (1)
Mit diesem alten Wort grüsse ich Dich sehr herzlich, lieber Bischof Felix. Du weisst, wo es zu lesen ist: Es stammt von unserem gemeinsamen Kirchenvater, dem heiligen Augustinus.

„Nemo nisi per amicitiam cognoscitur!“
„Niemand wird erkannt – ausser durch Freundschaft.“

Ich grüsse Dich, lieber Bischof Felix, auch im Namen jener Mitbrüder, die Dir heute ihre Ökumenische Freundschaft durch die Anwesenheit bezeugen. Es sind dies

  • Metropolit Jérémie de Suisse, Schweizer Metropolie des Patriarchates von Konstantinopel
  • Bischof Makarios de Lampsaque, Schweizer Metropolie des Patriarchates von Konstantinopel
  • Bischof Harald Rein, Christkatholische Kirche in der Schweiz
  • Erzpriester Stanko Markovic, Vertreter des serbisch-orthodoxen Bischofs für Mitteleuropa, Bischof Konstantin.

Wir alle sind der Einladung heute gerne gefolgt. Wir freuen uns mit Dir, mit Deiner Familie, mit Deiner Kirche und mit vielen Menschen im ganzen Land über Deine Wahl und Deine Weihe.

„Niemand wird erkannt – ausser durch Freundschaft“: Die Welt sah anders aus, als Augustinus diese Worte schrieb. Kein Mittelalter, keine Reformationszeit, keine Aufklärung, keine Neuzeit haben diesen Gedanken geprägt. Welten liegen zwischen ihm und uns – und doch: er spricht uns direkt ins Herz, denn seine Wahrheit ist zeitlos.

Bischof Felix, vielleicht spricht Augustinus damit auch in das Herz der Ökumene, in eine Ökumene wohlverstanden, der man in letzter Zeit hie und da das Etikett „Winter“ (oder gar „Eiszeit“) angehängt hat. Wir wissen es beide, das Etikett trifft nicht die Wirklichkeit in den Gemeinden. Wir wissen aber auch: Was die Leitungsökumene angeht, da ist es auch nicht ganz falsch. Das lesen wir ja schon bei Deinem sehr geschätzten Vorgänger.

Vielleicht sagt uns Augustinus deshalb auch heute: „Niemand wird erkannt ausser durch Freundschaft.“ Wie wollen wir den Andern erkennen, wenn wir ihm nur noch auf der anderen Seite des Konferenztisches begegnen? Wie willst Du ihm in die Augen schauen, wenn du ihn nur als Autor in Deinem Büchergestell je gesehen hast? Wie willst Du ihm die Hand reichen, wenn Du seinen Namen nur von der Unterschrift unter dem theologischen Konsenspapier kennst?

Ja, Augustinus spricht ins Herz einer jeden Ökumene, die den Menschen und den Freund ausblendet. Lernen wir von Augustinus. Lernen wir einander kennen – nicht nur theologisch und akademisch, sondern unmittelbar und persönlich. Könnten wir denn Christus nachfolgen ohne Freundschaft untereinander?

Lieber Bischof Felix, alles ist Gnade, auch die Freundschaft. Ob wir einander Freunde werden über alle Gräben von Konfessionen und Traditionen hinweg – Gott allein hat es in der Hand. Aber dass wir es versuchen sollen, und versuchen wollen, das höre heute von Deinen ökumenischen Geschwistern! Freundschaft: Nicht als kirchendiplomatische Floskel biete ich sie Dir an, sondern Freundschaft als Einladung. Machen wir uns miteinander auf den Weg, denn beim Wandern lernt man sich ganz gut kennen. Gehen wir diesen Weg Seite an Seite; mal im Gespräch, mal im Schweigen, immer in der Nähe. Hie und da machen wir Pause, packen etwas aus: Du vielleicht einen Luzerner „Birewegge“, ich einen Berner „Haselnussläbchueche“ – Andere können anderes beisteuern. Und wenn wir dann aufstehen und weitergehen, dann lass uns bei einem Wegkreuz innehalten, lass uns niederknien, lass uns miteinander beten und danken – und bitten: bitten darum, dass irgendeinmal hinter einem Hügel aus dem Nebel jene Kirche auftauche, in der wir miteinander auch feiern dürfen. Machen wir uns auf den Weg, auf den Weg der „Via della conciliazione“, machen wir uns miteinander auf den Weg.

Lieber Bischof Felix, vor Dir liegt eine grosse Aufgabe. Mögest Du Dein Bistum so leiten, dass die Menschen Dir folgen können: als Seelsorger, als Lehrer, als Hirte, als Bischof eben. Mögest Du „Das Evangelium wagen“ [Motto von Mgr Denis Theurillat] und „Der Einheit des Geistes dienen“ [Motto von Mgr Martin Gächter] zusammen mit Deinen beiden geschätzten Weihbischöfen, Martin Gächter und Denis Theurillat. Und schliesslich: vergiss nicht Augustinus: „Nemo nisi per amicitiam cognoscitur.”

Freundschaft braucht Zeit. Nimm sie Dir, denn das macht nicht nur Dein eigenes Leben lebenswerter. Zeit für Freundschaft: Das heilt auch die Wunden einer Christenheit, die noch nicht in jener Einheit lebt, in die sie einmal gerufen wurde. Zeit für Freundschaft: Nehmen wir sie uns, komme was wolle. Denn Christus selbst hat zu uns gesagt: „Euch aber habe ich
Freunde genannt“ (Joh 15,15). Und wenn er uns Freunde nennt, dann wollen wir es einander ja auch sein. Dein Freund, lieber Bischof Felix, ist mein Freund. So leisten wir doch einen kleinen Beitrag dazu, dass eines Tages ‚katholisch‘, evangelisch‘ und ‚orthodox‘ nicht mehr das je Trennende, sondern das alle Einende benennt:

die eine Kirche, die uns alle umfasst – als katholische;
die eine Kirche, die auf dem Evangelium gründet – als evangelische;
und die eine Kirche, die uns alle im wahren Glauben hält und führt – als orthodoxe:
die eine Kirche Jesu Christi.

„Ut unum sint“ – auf dass die Welt glaube.

Bischof Felix, der Segen des Dreieinigen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes sei mit Dir, jetzt und in alle Zukunft.

Danke.

Gottfried Wilhelm Locher

(1) De diversis quaestionibus octoginta tribus, 71,5.